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Forschung um den Kalten Krieg

 
 

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Der "Stöpsel" in der Ostsee

 
     
 

Die militärische Bedeutung Dänemarks beruht auf seiner geografischen Lage: Dänemark kann den Schiffsverkehr zur Ostsee kontrollieren. Dies war während des Kalten Krieges für die USA und die Sowjetunion gleichermassen von Interesse. In der Geschichte Dänemarks haben Auseinandersetzungen um die Kontrolle seiner Wasserstrassen - um den "Flaschenhals" der Ostsee - immer wieder eine Rolle gespielt. Nur eine kurze Zeitlang - unter Frederik II und Christian IV - haben die Dänen diese Kontrolle ausgeübt. Viele Jahre lang wurde der Seeweg zur Ostsee von der englischen Flotte beherrscht. Der Grosse Belt und der Öresund waren in beiden Weltkriegen für die deutsche und die britische Flottenstrategie von Bedeutung.

Dann kam der Kalte Krieg: die Sowjetunion war - im Frieden wie auch im Krieg - auf die ungehinderte Passage dieser dänischen Wasserstrassen angewiesen. Deshalb wollten USA und NATO die Ostsee im Kriegsfall "zustöpseln", so dass sowjetische Flotteneinheiten nicht herauskommen konnten. Öresund und Grosser Belt sollten durch Minengürtel gesperrt werden. Dies hätte einen Bruch des Völkerrechts bedeutet, da beide Fahrwasser international sind. Ein solcher Schritt hätte der Sowjetunion keine andere Wahl gelassen, als die Minensperre zu beseitigen. Um dies zu verhindern, wurden das Stevnsfort und das Langelandsfort angelegt. Hätte eine grössere Krise zum Krieg geführt, wäre Dänemark zum Kriegsschauplatz geworden - mit weit schlimmeren Verwüstungen als je zuvor: Sowohl die NATO als auch der Warschauer Pakt hätten den Einsatz taktischer Atomwaffen in Kauf genommen.    

Nach Ende des Kalten Krieges bekam die Öffentlichkeit Zugang zu den ostdeutschen Militärarchiven. Die hinterlassenen Kriegspläne deuteten darauf hin, dass ein sowjetischer Angriff mit massivem Gebrauch von chemischen und atomaren Waffen geplant war. Wie massiv die Atomwaffen eingesetzt werden sollten - mit vollständiger Gleichgültigkeit eigener Verluste der Sowjetunion - überraschte selbst die Verteidigungsleitung. Sowohl die Landungsstellen bei Falster und Køge als auch Langelandsfort und Stevnsfort hätten mit einem Atomangriff rechnen müssen.

 
     
     
 

Langelandsfort und der Kalte Krieg

 
     
 

Der Kalte Krieg hat seinen Ursprung im Zweiten Weltkrieg und ging weiter bis zum Zusammenbruch des Ostblocks in den 1990’ziger Jahren. Im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg, der durch sichtbare Handlungen geprägt war, waren es im Kalten Krieg  verdeckte Aktivitäten. Es gab aber auch Krisen und Kriege, wie z.B. den Korea-Krieg, den Vietnam-Krieg und die Kuba-Krise – in welcher das Langelandsfort eine wichtige Rolle spielte. Die Zivilbevölkerung in Europa lebte in ständig steigendem materiellem Wohlstand, während man gleichzeitig den Kalten Krieg als eine kalte Unterströmung spürte und sich bewusst war, dass ein kleiner Fehler zu einem nuklearen Weltuntergang  führen konnte.

Während des Kalten Krieges spielte Dänemark eine wichtige Rolle aufgrund seiner Platzierung im Brennpunkt: nahe der DDR und den Gewässern, die die Schiffe des Warschauer Pakts im Ernstfall passieren sollten. Langelandsfort war zusammen mit Stevnsfort eine von den zwei Küstenartillerie-Stellungen, die die Gewässer überwachen und gegebenenfalls für die gegnerischen Kriegschiffe schließen sollten. Die Agenten- und Spionageaktivitäten auf dänischem Territorium von beiden Seiten waren deswegen weit größer, als es der Bevölkerung damals bewusst war. Die dänische Nachrichtenaktivität außerhalb der Grenzen des Landes war ebenfalls größer, als man sich das normalerweise vorstellt. Eine gut informierter hochrangige östliche Nachrichtenquelle (Myagkov) schätzte die Anzahl der Ostagenten in Dänemark während des Kalten Krieges zeitweise auf etwa ca. 5000.

Die kalte Unterströmung machte sich auch in der derzeitige Kunst und Kultur bemerkbar. „Ufarlige historier“ von Villy Sørensen aus dem Jahr 1955 beinhaltet z.B. die Geschichte „Soldatens juleaften“, wo ein Soldat am Heiligabend mit dem Fallschirm abspringt und dabei eine Atombombe im Arm hält. Die Malerei, die Bildhauerkunst, die Musik, das Theater und der Film werden selbstverständlich auch von der unterschwelligen Angst geprägt, teilweise in galgenhumoristischer Hinsicht, wie in Stanley Kubricks Film vom 1964 „Dr. Strangelove“ oder „Wie ich lernte mich nicht zu sorgen und die Bomben zu lieben“.

Die ganze markante Entwicklung des skandinavischen Wohlfahrtstates muss man wahrscheinlich als Teil einer sozialdemokratisch getriebenen Strategie sehen, die sichern sollte, dass der mit Sozialdemokratismus konkurrierende Sowjet-Kommunismus nicht einfach eine attraktive Alternative für die Bürger bildete. Das Einfamilienhaus mit Garten, Charterreisen nach Süden usw. sollen zum Teil in diesem Licht gesehen werden. Eine gewisse Konkurrenz zwischen Ost und West in Bezug auf Freiheit und Wohlstand war in den freieren Verhältnissen für die Jugend zu sehen, die u.a. die Möglichkeit erhielt, in Jazzklubs zu gehen und sich zu amüsieren.

Koldkrigsmuseum Langelandsfort ist während der vergangenen 10 Jahre von einer schlecht gewarteten, ausgemusterten Militäranlage zu einem mit der Zeit gut durchgearbeiteten Museum für den kalten Krieg entwickelt worden. Die Besucherzahl nähert sich etwa 40.000 im Jahr, und scheint weiter zu wachsen. Im Mittelpunkt stehen die militärischen Anlagen, die internationale Politik und die Kuba-Krise, wo das Langelandsfort eine bedeutende Rolle spielte, da man von hier aus die sowjetischen Handelsschiffe mit Raketen unterwegs nach Kuba entdeckte und Präsident Kennedy informierte.

Die zweite Phase der Entwicklung des Forts, die für die nächsten 10 Jahren geplant ist, soll die Spionage und Agententätigkeit und die Atomstrategie des Kalten Kriegs vermitteln sowie die Auswirkung auf die Zivilbevölkerung – auf ihr tägliches Leben, ihre Kunst und Kultur darunter auch die Friedensbewegungen, die einen auslösenden Faktor im Vietnam-Krieg fanden, sowie die Gesinnungsagenten von beide Seiten. Die neuen Ausstellungseinrichtungen sollen dem Publikum eine wohlausgewogene Einsicht in die Verhältnisse auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs vermitteln. Es sind mehrere spannende Themen in Vorbereitung in Zusammenarbeit mit Partnern des Museums aus dem In- und Ausland.

Die dezentrale Platzierung des Museums in der heutige Landschaft ist vermittlungstechnisch sehr wichtig, da es zeigt, wie das politische Spannungsfeld in der Kulturlandschaft des Kalten Krieges Schlüsselpositionen bildeten, die bei der Entspannung ihre Bedeutung verloren.

Es ist der Wunsch, eine Forschungsabteilung an das Fort anzugliedern, damit Vermittlung und Forschung zusammen ein nordeuropäisch orientiertes Center aufbauen  und gleichzeitig eine Gedenkstätte für den Kalten Krieg im baltischen Raum mit festen und wechselnden Ausstellungen.

 
     
     
 

 

 
 

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