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  Das Fort und der kalte Krieg  
 

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Am Rande des Abgrundes

 
     
 

Der Kalte Krieg und warum es so wichtig ist, die Vergangenheit zu kennen. 

 
     
  Von Peer Henrik Hansen, Historiker, Ph.d.  
  Museum des Kalten Krieges im Langelandsfort, Øhavsmuseet   
     
 

Für die junge Generation von heute kann es schwer sein, sich in das Leben ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern im 20. Jahrhundert hineinzuversetzen. Es war ein Leben ohne Internet und Handys. Dafür musste man sich darüber Gedanken machen, ob es genug Dosennahrung und Wasser in den Schutzbunkern der Wohnblöcke gab und wem man im Falle eines Falles tatsächlich vertrauen konnte – wenn der Kalte Krieg plötzlich heiß geworden wäre. Von 1945 bis zum Ende der 80er Jahre war die Gefahr eines globalen, alleszerstörenden Krieges allgegenwärtig. Die harten Jahre während des 2. Weltkrieges wurden durch den sogenannten Krieg Kalten Krieg abgelöst: ein langwieriger politischer und militärischer Konflikt, der die Welt an den Rand der totalen Auslöschung brachte.  

 
     
 

Der Kalte Krieg war eine ideologische Auseinandersetzung zwischen den westlichen Demokratien und den Diktaturen des Ostblockes: Welche Werte sollten in der Gesellschaft gelten? Wie hatte man sein Leben zu leben, und welchen Einfluss sollten die Menschen auf den Verlauf ihres eigenen Lebens haben? Dieser Kampf wurde überall ausgetragen: Im UN-Sicherheitsrat, auf dem Arbeitsplatz, in Wohnungsgemeinschaften, um nur einige der vielen, vielen Schauplätze des Kalten Krieges zu nennen.  

 
     
 

Der Kalte Krieg hinterließ Spuren. Bei Frauen und Männern, jung und alt. Aber die Angst vor dem alleszerstörenden Atomkrieg, die besonders die 40er und 50er Jahre beherrschte, wurde mit der Zeit zum Normalzustand. Der Kalte Krieg wurde alltäglich, war aber doch allgegenwärtig. Die Militärübungen, die Friedensdemonstrationen und die wöchentlichen Luftalarmübungen erinnerten die Menschen an die tödliche Gefahr, die von der Auseinandersetzung der Supermächte ausging. 

 
     
 

Der ideologische Konflikt zwischen den westlichen Demokratien und des internationalen Kommunismus, der von Moskau aus gesteuert wurde, hatte bereits vor Ausbruch des 2. Weltkrieges begonnen. In der Zwischenkriegszeit betraten jedoch neue Feinde die Weltszene: Der Faschismus und der Nationalsozialismus begannen sich über Europa auszubreiten, das noch vom 1. Weltkrieg erschöpft war. In Russland hatten die Kommunisten 1917 im Laufe einer blutigen Revolution den absolutistischen Zar und die unterdrückende Aristokratie entmachtet und die Macht an sich gerissen. Für die Menschen der Sowjetunion war die Alternative zum Zarismus allerdings nicht viel besser: Es wurde zwar gegen Arbeitslosigkeit und Armut eingesch

 
     
 

Dritten, an deren Stelle traten jedoch neue Probleme wie Festnahmen und Deportationen unbequemer Bürger, Zwangskollektivisierungen und die Angst vor der geheimen Polizei der neuen kommunistischen Machthaber, der spätere KGB, machten das Leben schwer. Millionen fielen dem kommunistischen Regime zum Opfer.  

 
     
 

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das sowjetische System mehr oder weniger nahtlos auf die osteuropäischen Länder übertragen, denen nun die sowjetische Oberherrschaft  aufgezwungen wurde. Obwohl die USA, die Sowjetunion und Großbritannien untereinander ausgemacht hatten, dass in den osteuropäischen Ländern freie, demokratische Wahlen stattfinden sollten, wurde diese Absprache langsam aber sicher durch die Sowjetunion unterwandert. Der Kampf gegen die Diktatur in Europa war vergeblich gewesen. Obwohl der Nationalsozialismus besiegt worden war, herrschten nun kommunistische Diktatoren in Osteuropa. Das nationalsozialistische Deutschland war niedergekämpft, aber nun lauerte die kommunistische Gefahr dicht vor den dänischen Grenzen. 

 
     
 

Die geopolitische Lage Dänemarks bedeutete, dass das Land im äußersten Fall sehr schnell Teil eines bewaffneten Konfliktes zwischen Ost und West werden würde. Es bestand jedoch weder unter Politikern noch in der Bevölkerung der Wille, militärisch so aufzurüsten, dass die Rote Armee aus Dänemark herausgehalten werden konnte. Das hatte zur Folge, dass Dänemark mit einem jahrelangen Neutralitäts-Prinzip brach und sich den westlichen Demokratien und dem Nordatlantik-Pakt anschloss, der späteren NATO. Es waren die amerikanischen Atombomben und der „Musketier-Eid“, der zu der Sicherheit Dänemarks beitrug: Würde Dänemark angegriffen werden, würde dies als Angriff auf den gesamten Pakt aufgefasst und Dänemark verteidigt werden. Auf diese Weise war Dänemark eine gewisse Sicherheit gewährleistet: Anfang der 50er Jahre wussten jedoch die dänischen Politiker, dass ihr Staat als verlorenes Land galt. Das Land lag ganz einfach auf der falschen Seite der Front-Linie, von der die NATO ausging, dass diese im Falle einer Auseinandersetzung mit der Sowjetunion und den osteuropäischen Ländern gehalten werden konnte. Auch die Lage Dänemarks als Pfropf in der Ostsee ließ die Sowjetunion und den 1955 als Gegenzug gegen die NATO gegründeten Warschauer Pakt ein waches Auge mit dem kleinen Land zwischen Nord- und Ostsee halten.  

 
     
 

Der Kalte Krieg wurde zum Krieg der Nachrichtendienste. Spionage, Überwachung und heimliche Aktivitäten wurden schnell zum Alltag. Während die USA vor dem 2. Weltkrieg keinen eigentlichen Nachrichtendienst gehabt hatte, hatte die Sowjetunion jahrzehntelang im Westen operiert und ein dichtes Netz von Agenten und kommunistischen  Handlangern gesponnen. Die offenen Gesellschaften des Westens waren relativ einfach zu infiltrieren, während die Sowjetunion und die osteuropäischen Satellitenstädten geschlossene Gesellschaften mit äußerst effektiven Sicherheitsdiensten waren, die die Flucht der eigenen Bürger und das Eindringen fremder Agenten verhindern sollten. 

 
     
 

In der zweiten Hälfte der 40'er Jahre begannen die USA und Großbritannien heimlich Aufrührer in den baltischen Staaten, Polen und der Ukraine zu unterstützen. Agenten wurden mit Fallschirmen abgeworfen und mit Motortorpedobooten an Land geschafft. Man hoffte auf diese Weise dass die lokalen Aufrührer Informationen über den sowjetischen Machtapparat preisgeben würden und zum Widerstand gegen die sowjetische Okkupationsmacht ermuntert würden. Durch das hohe Sicherheitsniveau der sowjetischen Sicherheitsdienste wurden die Aufrührer in den baltischen Staaten jedoch entlarvt und durch Personen der Nachrichtendienste ersetzt. Mit anderen Worten: Der Westen schickte seine Agenten direkt in die Arme des KGB. Als diese Aktivitäten Mitte der 50er Jahre aufhörten hatten diese viele Menschenleben gekostet. 

 
     
 

Neben den heimlichen Aktivitäten, die Ost und West gegeneinander ausführten, führte der Kalte Krieg auch zu einer Reihe Auseinandersetzungen und Konflikten. Die kommunistische Machtübernahme in der Tschechoslowakei und die Berlin-Blockade 1948, der Korea-Krieg, die Aufstände in der DDR, Polen und Ungarn sowie der McCarthyismus waren alle Teil des Kalten Krieges und zeigten welchen großen Einfluss dieser auf den Alltag der Menschen in der ganzen Welt bekommen hatte. 

 
     
 

Die Kuba-Krise 1962 zeigte mit aller Deutlichkeit, welches gefährliches Spiel der Kalte Krieg war. Die Sowjetunion versuchte heimlich Atomraketen auf Kuba zu stationieren und hatte über längere Zeit Waffen nach Kuba geschifft. Ein Teil dieser Schiffe waren durch dänische Fahrwässer gekommen, wo sie entdeckt und fotografiert worden waren. Die USA versuchte die Aufrüstung auf Kuba mit einer Blockade zu verhindern und im Oktober 1962 wurde die Situation kritisch: Viele Menschen dachten, nun würde der 3. Weltkrieg ausbrechen. Heimliche Verhandlungen führten zu einem Verständnis zwischen der USA und der Sowjetunion, und die darauffolgenden Jahre brachten eine gewisse Entspannung in den Beziehungen zwischen den Supermächten. 

 
     
 

Ende der 60er Jahre und die 70er standen im Zeichen der 1968-Bewegung und der Studentenproteste, des Vietnam-Krieges, des ideologischen Terrorismus und dem Freiheitskampf in der 3. Welt. Langsam aber sicher verschlechterte sich wieder das Ost-West-Verhältnis, und die Angst vor einem Atomkrieg war wieder allgegenwärtig. 

 
     
 

Das Ende des Kalten Krieges nahm seinen Lauf in den 80er Jahren. Die Vereinigten Staaten setzten die Sowjetunion finanziell unter Druck, indem man hochtechnologische Projekte ankurbelte, die den Kreml auskonkurrierten. Die USA präsentierten u.a. das SDI-Programm,  eine Initiative zum Aufbau eines Abwehrschirms gegen Interkontinentalraketen. Die sowjetische Ökonomie war ausgemergelt und konnte kaum mit dem Waffen-Wettlauf mit den USA mithalten - einem Wettlauf, den die UdSSR selbst mit angetrieben hatte. Der Druck auf die kommunistischen Führer kam jedoch auch von innen her. 

 
     
 

In Polen gab es seit 1980 die Gewerkschaft Solidarność, eine organisierte Opposition zum kommunistischen Regime. Im Laufe der 1980 setzte der wachsende Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung die kommunistischen Führer immer mehr unter Druck, und 1989 begann der gesamte Ostblock langsam aber sicher auseinander zu fallen. Ungarn öffnete die Grenzen in den Westen und lockerte die Ausreiseregeln. Das führte dazu, dass tausende Ostdeutsche ihre Koffer packten um über Ungarn in den Westen zu gelangen. Die ostdeutsche Führung hatte 1961 die Berliner Mauer errichtet, um die Flucht von Ost nach West aufzuhalten, und als Jahrzehnte später auch das ostdeutsche Regime in ihren Grundfesten zu wackeln begann, wurde am 9. November 1989 die Grenze zwischen Ost- und Westberlin durch einen Zufall eröffnet. Plötzlich lagen sich Menschen aus Ost und West in den Armen und es wurde auf der Berliner Mauer getanzt. Estland, Lettland und Litauen erlangten ihre Selbständigkeit, und es entstanden zahlreiche neue Staaten nach dem Kollaps des Warschauer Paktes und der Sowjetunion. 

 
     
 

Heute sehen die Dinge anders aus. Es gibt noch einzelne Diktatoren im europäischen Raum, und es gibt vieles in Welt, worüber man sich den Kopf zerbrechen kann: Hunger- und Klimakatastrophen, Terrorismus und vieles mehr. Aber die akute Gefahr, dass die Welt in 30 Minuten in einer atomaren Katastrophe untergeht, ist vorbei. Wir stehen noch immer vor den gleichen Fragen, um die sich der Kalte Krieg ausspielte. Wollen wir Herr über unser eigenes Leben sein und in Frieden miteinander leben, oder wollen wir akzeptieren, dass unser Leben von fanatischen Dogmen und totalitären Ideen unterdrückt wird?

 
     
     
     
 

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